inicio mail me! Abonnieren

kategorie die medien

lost in translation

wenn ich mir diesen film immer wieder anschaue, fühle ich mich, als ob ich vor einem teich sitze, durch dessen ruhige, fast spiegelglatte oberfläche eine bunte, fremde welt hindurchscheint. aber auch wenn ihre bewegungen klar sind, fällt es mir bisher schwer, ihre richtungen ebenso klar zu deuten.

ich glaube, es geht um gegensätze und die versuche, überschneidungen zu bilden. die kleine, junge charlotte und der große, ältere bob. zwei amerikaner, die in tokio festsitzen - wenn auch freiwillig. zwei menschen, die in ihrem leben festsitzen und, als sie sich kennenlernen, gemeinsam auf die suche nach einer richtung gehen.

lost in translation

es geht auch um nähe. ein bedürfnis, das sie an einem ort stillen, an dem sie es vermutlich nicht erwartet hätten. und es geht um gefühle, die ihnen mit der zeit so fremd geworden sind wie die umgebung, in der sie sie auf zaghafte weise wieder neu entdecken dürfen.

und es geht um eine stadt, die in ihrer andersartigkeit und im versuch der beiden menschen, diese zu begreifen, ihnen auf kostbare weise etwas über ihre leben erzählt - in einer sprache, die nicht übersetzt werden muss…

danke, sophia coppola, für diese seltenen bilder stiller intensität. danke, kevin shields, für einen soundtrack, der unaufdringlich eindringlich, fast wie nur nebenbei, diese stille festigt. und danke an den copywriter für die tagline des films, die einfach nur passt: “everyone wants to be found.”

facebook - it’s quantum…

vor einem jahr noch war facebook für mich ein buch mit sieben siegeln. mir fehlte einfach der zugang, im sinne eines persönlichen mehrwerts. nach längerem beobachten ist nun meine frühere skepsis der begründeten akzeptanz gewichen, dass sich hier - und das nicht erst seit gestern - ein besonderer mikrokosmos entwickelt hat: facebook ist ein zentraler knotenpunkt, der soziale, kulturelle und kommerzielle stränge auf äußerst clevere weise bündelt; das web im web, sozusagen. das schweizer taschenmesser der online-welt - kommunikationskanal, galerie, spielewiese, statement - manchmal mehr, manchmal weniger, je nach perspektive.

und wie bei jedem werkzeug hängt der wert vom nutzen ab. in meinem fall fungiert es als aussichtspunkt. so wie öffentliche transportmittel, parties oder belebte wiesen im sommerlichen park: ich liebe es, mich zwischen menschen zu bewegen und zufällig hier und da meinungen, ideen oder gefühle aufzuschnappen. ein bißchen wie bild-zeitung lesen, aber authentischer.

ähnlich zum erscheinungsbild der menschen im realen raum, beispielsweise durch ihre kleidung, hat sich auf facebook eine ähnliche ebene entwickelt, die jeweiligen personen über ihre direkte kommunikation hinaus hin “erleben” zu können: ihre profilbilder, die gruppen, denen sie angehören oder die beiträge, die ihnen gefallen.
also, oute ich mich hier etwa als virtueller voyeur? ja, und das ist auch gut so! wobei von “outen” keine rede sein kann. meine sichtweise ist harmlos, denn wer sich zeigt, muss wohl damit rechnen, gesehen zu werden. und schließlich ist das auch das elementare prinzip von social networks, oder?

noch eine randbemerkung: in der psychologie gibt es, zumindest laut dem film the sixth sense, die technik des “freien assoziativen schreibens”. man lässt, einfach gesagt, sein unterbewusstes per stift auf papier gleiten, in dem man dinge aufschreibt, die einem spontan in den sinn kommen. ich bin der meinung, diese systematik lässt sich auch auf die interaktion im web übertragen. gestern habe ich mich in facebook einfach mal frei, assoziativ treiben lassen und bin am ende in den kommentaren zu einem posting von the coolhunter auf dieses zitat gestoßen, welches ich sehr interessant finde:

“I point myself were I want to be and life both follows and leads, for the future is a product of the function of the present, and the paths are infinite numbers… logarithmic spirals… pi phi e… they are asymptotes that never end, and we only use very blunt approximations of them.

It’s quantum… me and it… random and logic… I put myself where my interests and desires lead me, then the random shit kicks in… I have a new awareness and place… rinse and repeat…

You know how many places you wake up from your dream? ohhhhhh baby?”

william gibsons mustererkennung

gibson_patternrecognition

“der notarzt verabreicht dem mann mittels einer flasche und einer atemmaske sauerstoff, und cayce hört hinter sich das insistierende tuten eines spiegelwelt-krankenwagens. und sieht einen moment lang das bewusstlose, unversehrte gesicht; die untere hälfte ist halb von der transparenten maske verdeckt, der abendregen fällt auf geschlossene lider. und sie weiß, dass dieser fremde jetzt vielleicht im extremsten aller schwellenbereiche ist, am rand des nichtseins oder im begriff, in ein sein einzutreten, von dem sie keine vorstellung hat.
sie kann nicht erkennen, was ihn erwischt hat oder wogegen er geprallt sein könnte. aber vielleicht hat sich ja die straße selbst aufgebäumt und ihn zu fall gebracht. sowas tun nicht immer nur die dinge, die wir am meisten fürchten, macht sie sich klar.”

william gibsons mustererkennung

gesprochene gesichter

unsere sprache ist ein wunderbares und mächtiges medium. ein bild sagt zwar bekanntlich mehr als tausend worte, doch letzten endes nutzen wir doch wieder wörter, um uns über bilder zu unterhalten. ultima ratio.
namen sind für mich die sprache der sprache. wir benutzen sie unzählige male am tag. sie machen personen zu freunden, tiere zu gefährten, lieder zu hits, projekte zu missionen.

namen komprimieren das wesen von menschen und ihren werken auf wenige buchstaben und schaffen so identität und bezug. aber sie sind viel mehr als nur verbale etiketten. namen sind ein emotionaler code, wandelbar in seiner form und handhabung. auf abstrakte art vermitteln sie leben, einfach und doch komplex - so wie morsezeichen eine botschaft übertragen.

name

ich heiße patrick. meine klassenkameraden in der 8. damals waren kreativ, so wurde daraus paddy. später päddl. oder padneck. oder padlor oder patinski. in foren nannte ich mich früher strobe, und auch als dj. jetzt ist es rokzon. mein blog heißt mikrophil, die radiosendung mit meinem kumpel nennt sich minusgleichplus. ein mensch, viele gesichter. gesprochene gesichter.
der name einer person ist die schwelle, ab der eine gewisse nähe entsteht und hinter dieser wiederrum sich intimität auftut. zuerst: Sie. dann: herr tejada. dann: patrick. dann: päddl. näher und näher…

auf einer anderen ebene bewegen sich die namen von gruppierungen oder produkten: metallica, adidas, golf GTI, die grünen, star wars, mezzo mix, yesterday. anders als bei personen tun sich hier gewissermaßen ganze welten auf, denn diese codes transportieren statements, lebensgefühle oder leistungen. manche subtiler, manche direkter - aber auch sie spiegeln gesichter wieder, hinter denen, wie bei personen, geschichten stecken.

das schwierige heutzutage ist auf diesem gebiet individualität zu erschaffen, aus einem schier endlosen meer aus mitbewerbern hervorzustechen. als person bereitet es mir keine probleme, dass es zahllose andere patricks gibt, denn meine identität ist durch das muster meines lebens geprägt. auch ein weltweit operierendes unternehmen mit erfolgreicher geschichte muss sich über seinen namen wenig gedanken machen. was aber, wenn man eine firma gründen oder ein neues produkt positionieren will? der name ist zwar bei weitem nicht der einzige aspekt, aber ein sehr wichtiger. er muss nicht nur wahrgenommen werden, sondern auffallen und anziehen. auftritt und leistung - der name verbindet beides. er ist der kleinste gemeinsame nenner, der erste eindruck, die spitze des eisbergs. je prägnanter sie aufragt, desto größer die chance, daran hängen zu bleiben.

eine werbeagentur oder eine computerspielfirma können sich bei der wahl ihrer verbalen identität mehr spielraum zumessen, als es ein milchprodukthersteller kann. je nach branche oder produktgruppe unterliegt die effektivität der benennung anderen regeln. doch auf lange sicht ist nur ein ziel entscheidend: der name muss sich in etwas mächtiges, magisches verwandeln. er muss zu einem lebendigen kodex werden, einer verheißung, einem versprechen. im idealfall wird er ruf und botschaft zugleich.

das reinheitsgebot 2010

eigentlich bin ich ein entspannter kerl. ich mache gern witze und glaube an das gute im menschen. also nicht unbedingt ein prädestinierter schwarzseher. und dennoch stechen mir in letzter zeit vorwiegend umstände (aus der medienwelt) ins auge, die mich vor lauter kopfschütteln langsam an den rand einer gehirnerschütterung treiben. und auch das stechen-ins-auge ist alarmierend nah am wörtlichen sinn…

vor einiger zeit ging es hier bei können wir noch anders? um die zukunft der originalität. kurz: wird es noch bahnbrechend neues geben oder bleibt uns nur noch die option, die trägheit des alltags in unzähligen cocktails gemixt aus aufgewärmten ideen zu ertränken?

bleiben wir mal in der welt des entertainments. um dem deja-vu-erlebnis der nicht abbrechenden flut von konzeptwiederholungen vorzubeugen, kann man immer häufiger den äußerst kreativen ansatz des genremix beobachten. einfaches beispiel: social network + minigames. wow, ich kann freunde online treffen und nebenbei meine eigene virtuelle farm verwalten. unglaublich fesselnd. ok, kommt auf die zielgruppe an. viele mögen’s… aber es kommt noch besser! gerade gesehen: das lego-harry-potter-computerspiel. leute, geht’s noch? oder liegt es an mir? bin ich spießig? kapiert mein konservatives kleinhirn nicht den gigantischen mehrwert dieses phänomenalen marketingansatzes? hallo? ist da jemand?

lego-harry-potter-game

worum geht’s hier eigentlich? lego ist ein klassiker. macht spaß und fördert das kreative denken der kinder. harry potter ist eine sicherlich unterhaltsame märchenwelt. auch gut. und computerspiele? sind die holodecks der neuzeit. kein zweifel. aber worin besteht bitte der sinn in der kombination des ganzen? dadurch werden die einzelnen, in ihrem bereich wirksamen konzepte doch ihrer effektivität beraubt. außer man sieht als einzigen sinn den möglichst umspannenden einzugsbereich an konsumenten. klar, das muss es sein. heureka! ich hab’s kapiert. es geht hier nicht um individuelles einsetzen von bestimmten mechanismen, die nicht nur unterhalten, sondern auf ihre weise fördern können. es geht einzig und allein darum, was dabei für die unterhaltungsindustrie herausspringt. boing. der groschen ist gefallen.

spaß beiseite. was ich hier von mir gebe, weißt du doch schon lang - genauso wie ich. es ist kein geheimnis. so entwickelt sich die welt nun mal: es ist einfacher, altbewährtes mit altbewährtem zu verknüpfen und geschickt auf dem markt zu kommunizieren, als etwas gänzlich neues, nie dagewesenes zu entwickeln. dass der mix die stärken der zutaten verwässert, spielt keine rolle. die maschine muss laufen. das ist alles, was zählt.

es ist natürlich einfach zu meckern, anstatt es besser zu machen, die pforten meines hirns zu öffnen und strahlende revolutionen des bereits bekannten daraus hervor treten zu lassen. die leute wollen unterhalten werden. schnell und dauerhaft. da steht die unterhaltungsindustrie natürlich unter druck. aber unterhaltung ist doch nicht nur unterhaltung. es geht auch um verantwortung, um entwicklung, um bildung. unsere gesellschaft folgt schon genug der tendenz zur oberflächlichkeit - trotz der technologischen möglichkeiten, die sich mittlerweile bieten. oder gerade deswegen? das potential ist da, und sollte nicht der schnelllebigen gewinnpotenzierung zum opfer fallen. leicht gesagt, ich weiß. und vielleicht denkst du da auch anders. vielleicht bin ich doch ein schwarzseher. oder habe die zeichen der zeit einfach noch nicht begriffen. aber man wird doch noch träumen dürfen? amen.


ältere einträge »