archiv für mai 2010
30. mai 2010 um 00:57 · abgelegt unter das leben
silvester. 1992, wenn ich mich recht erinnere…
drei freunde, noch jung genug, einen abend wie diesen ohne highlife und mädchen zu genießen. nur wir, saft und chips, in einem gartenhäuschen mit ausblick auf unsere stadt. und das funkgerät.
dennis und olli waren damals ganz versessen auf’s funken - und auch wenn sie mich mit dieser leidenschaft nie wirklich anstecken konnten, war ich ihnen nach diesem abend sehr dankbar dafür. bis heute.
wir lernten lukas kennen. hobbymäßig die gleiche wellenlänge, technisch gesehen dieselbe frequenz. reiner zufall. er saß da draussen im irgendwo seines zimmers vor seinem gerät und tauschte mit uns stimme und stimmung aus. im hintergrund war gekichere zu hören - die ältere schwester, erzählte lukas uns, mit zwei freundinnen. und dann musste er los, die mädels aber blieben. nun stand es drei zu drei, und spaßpingpong, über den äther gespielt, ließ die stunden verpuffen.
es hätte genauso gut mein erster und letzter kontakt mit caro gewesen sein können. doch an diesem abend schien auf einem geheimen stockwerk unserer welt eine maschine angesprungen zu sein. gezündet durch einen funken aus dem nichts und darauf programmiert, zufall auf zufall wie flugblätter über unseren weg zu streuen, um caro und mich zusammen zu bringen; was dann irgendwann auch geschah, obwohl meine schüchternheit damals wie ein bremsfallschirm auf unserem ersten höhenflug in sachen liebe wirkte.
der zufall ist eines der vielen gesichter unseres lebens, und er beherrscht die verschiedensten mimiken. seinem lachen bin ich in dieser geschichte begegnet. eine magische macht, die zu erklären in etwa so schwierig ist, wie der versuch, die wärme eines lächelns durch die anatomie der gesichtsmuskeln zu begreifen.
caro und ich waren übrigens nicht sehr lange ein paar. um genau zu sein vom 9.3. bis zum 3.9. - wunderbare, verdrehte welt. und meine erste große liebe, entfacht durch einen funken in der nacht.
22. mai 2010 um 08:59 · abgelegt unter das leben
innerhalb unserer modernen markenmatrix hat sich eine neue ebene entwickelt. oder anders ausgedrückt: eine meta-marke. sie durchwirkt die medienlandschaft und zieht viele durch einen simplen, jedoch höchst effektiven mechanismus in ihren bann - indem sie die konsumenten gleichzeitig zum produkt werden lässt. popstars, supermodel, kochduell, heimwerkerkönig. do it yourself - DIY. drei buchstaben mit womöglich mehr macht, oder zumindest mehr begeisterungspotential, als bmw oder ibm.
auch wenn die karrieren der regelmäßig neu gefeierten helden einschlägiger fernsehformate meist einer stubenfliegen-ähnlichen lebenserwartung unterliegen, beeinflusst das gehypte selbstbewusstsein 2.0 in nicht zu unterschätzendem maß auch den alltag hinter der mattscheibe. und das positiv, wie ich finde.

hornbach fordert auf: “mach es zu deinem projekt”. eine botschaft, die in meinen augen über unsere vier wände hinaus geht, denn hier wird genau genommen ein neues lebensgefühl propagiert. und was meint ikea doch gleich? “entdecke die möglichkeiten”… eben, genau das machen die menschen. sie üben melodien mit singstar, kochen mit jamie oliver, lernen vom checker etwas über autos, spielen hollywood auf youtube oder bloggen ihr leben in die welt hinaus.
was sich hier also entwickelt hat, ist eine wechselwirkung zwischen interessen, möglichkeiten und ergebnissen. täglich entstehen millionenfach kleine ideen und werke, die mit anderen geteilt werden und diese anspornen können. DIY als perpetuum mobile der entfaltung, angestoßen durch die energie der medien. und auch wenn die methoden der menschen dabei so vielfältig sind, wie ihre ansprüche und ergebnisse - das prinzip bleibt dabei doch so einfach, wie es erfüllend sein kann. also, hör auf nike: “just do it”
13. mai 2010 um 22:27 · abgelegt unter die medien
wenn ich mir diesen film immer wieder anschaue, fühle ich mich, als ob ich vor einem teich sitze, durch dessen ruhige, fast spiegelglatte oberfläche eine bunte, fremde welt hindurchscheint. aber auch wenn ihre bewegungen klar sind, fällt es mir bisher schwer, ihre richtungen ebenso klar zu deuten.
ich glaube, es geht um gegensätze und die versuche, überschneidungen zu bilden. die kleine, junge charlotte und der große, ältere bob. zwei amerikaner, die in tokio festsitzen - wenn auch freiwillig. zwei menschen, die in ihrem leben festsitzen und, als sie sich kennenlernen, gemeinsam auf die suche nach einer richtung gehen.

es geht auch um nähe. ein bedürfnis, das sie an einem ort stillen, an dem sie es vermutlich nicht erwartet hätten. und es geht um gefühle, die ihnen mit der zeit so fremd geworden sind wie die umgebung, in der sie sie auf zaghafte weise wieder neu entdecken dürfen.
und es geht um eine stadt, die in ihrer andersartigkeit und im versuch der beiden menschen, diese zu begreifen, ihnen auf kostbare weise etwas über ihre leben erzählt - in einer sprache, die nicht übersetzt werden muss…
danke, sophia coppola, für diese seltenen bilder stiller intensität. danke, kevin shields, für einen soundtrack, der unaufdringlich eindringlich, fast wie nur nebenbei, diese stille festigt. und danke an den copywriter für die tagline des films, die einfach nur passt: “everyone wants to be found.”
13. mai 2010 um 12:39 · abgelegt unter die medien
vor einem jahr noch war facebook für mich ein buch mit sieben siegeln. mir fehlte einfach der zugang, im sinne eines persönlichen mehrwerts. nach längerem beobachten ist nun meine frühere skepsis der begründeten akzeptanz gewichen, dass sich hier - und das nicht erst seit gestern - ein besonderer mikrokosmos entwickelt hat: facebook ist ein zentraler knotenpunkt, der soziale, kulturelle und kommerzielle stränge auf äußerst clevere weise bündelt; das web im web, sozusagen. das schweizer taschenmesser der online-welt - kommunikationskanal, galerie, spielewiese, statement - manchmal mehr, manchmal weniger, je nach perspektive.
und wie bei jedem werkzeug hängt der wert vom nutzen ab. in meinem fall fungiert es als aussichtspunkt. so wie öffentliche transportmittel, parties oder belebte wiesen im sommerlichen park: ich liebe es, mich zwischen menschen zu bewegen und zufällig hier und da meinungen, ideen oder gefühle aufzuschnappen. ein bißchen wie bild-zeitung lesen, aber authentischer.
ähnlich zum erscheinungsbild der menschen im realen raum, beispielsweise durch ihre kleidung, hat sich auf facebook eine ähnliche ebene entwickelt, die jeweiligen personen über ihre direkte kommunikation hinaus hin “erleben” zu können: ihre profilbilder, die gruppen, denen sie angehören oder die beiträge, die ihnen gefallen.
also, oute ich mich hier etwa als virtueller voyeur? ja, und das ist auch gut so! wobei von “outen” keine rede sein kann. meine sichtweise ist harmlos, denn wer sich zeigt, muss wohl damit rechnen, gesehen zu werden. und schließlich ist das auch das elementare prinzip von social networks, oder?
noch eine randbemerkung: in der psychologie gibt es, zumindest laut dem film the sixth sense, die technik des “freien assoziativen schreibens”. man lässt, einfach gesagt, sein unterbewusstes per stift auf papier gleiten, in dem man dinge aufschreibt, die einem spontan in den sinn kommen. ich bin der meinung, diese systematik lässt sich auch auf die interaktion im web übertragen. gestern habe ich mich in facebook einfach mal frei, assoziativ treiben lassen und bin am ende in den kommentaren zu einem posting von the coolhunter auf dieses zitat gestoßen, welches ich sehr interessant finde:
“I point myself were I want to be and life both follows and leads, for the future is a product of the function of the present, and the paths are infinite numbers… logarithmic spirals… pi phi e… they are asymptotes that never end, and we only use very blunt approximations of them.
It’s quantum… me and it… random and logic… I put myself where my interests and desires lead me, then the random shit kicks in… I have a new awareness and place… rinse and repeat…
You know how many places you wake up from your dream? ohhhhhh baby?”
08. mai 2010 um 10:02 · abgelegt unter das leben
gunther von hagens’ körperwelten haben damals die wahrnehmung des menschen geteilt. in moralischer hinsicht, wie auch, durch die art der darstellung seiner exponate, buchstäblich auf visuelle weise. und eigentlich hat er sich doch nur des vorbilds der natur bedient, nacktes leben in einer quasi eingefrorenen momentaufnahme zu präsentieren, wie es beispielsweise in bernstein gefasste insekten und fossilien darstellen - oder ötzi, star aus dem eis.
es ist eine kunst für sich, dinge in einer unmittelbaren (be)greifbarkeit zu präsentieren. ich erlebe einen tonkrug aus der römerzeit, offen stehend auf einem podest vor mir, viel intensiver, als auf einem foto. ganz klar. plastizität ist vorgekaute nahrung für unsere augen und kombiniert mit der aura lebensnaher erfahrung, wie etwa die pose, die von hagens seinem staffelläufer verliehen hat, steigt das erlebnis auf eine besondere stufe.
wenn du meinen gedanken hier in verschiedenen texten nachgegangen sein solltest, ist dir sicherlich aufgefallen, wie wichtig vergleiche für mich sind. auch wenn sie ab und an lediglich wie beiläufige floskeln wirken mögen, erfüllen sie für mich vielmehr die aufgabe, bezüge und aussagen intensiver vor augen zu führen. plastizität, mal wieder. und auch wenn ich hier schon des öfteren über william gibsons romane geschrieben und daraus zitiert habe (hier oder hier oder hier oder hier), ist mir erst kürzlich während der lektüre seines neusten werkes quellcode endlich bewusst geworden, wie seine art zu schreiben sich für mein verständnis durch die oben beschriebenen kunstformen verdeutlichen lässt.

“Nachdem sie Albertos Denkmal für Helmut Newton angesehen hatte, das in Erinnerung an dessen Schaffen aus einer Menge monochromer Nacktheit in Art-déco-ähnlichem Stil bestand, ging sie zu Fuß zurück zum Mondrian. Es war dieser merkwürdige und flüchtige Zeitpunkt, der zu jedem sonnigen Morgen in West Hollywood gehört, wenn ein Ewigkeit versprechender Duft nach Chlorophyll und sich im Verborgenen erwärmender Frucht die Luft veredelt, kurz bevor sich die Abgasdecke über die Stadt senkt. Dieser Eindruck einer peripheren Schönheit aus einer Zeit vor dem Sündenfall, von etwas, das ein wenig mehr als hundert Jahre zurückliegt, aber in diesem Moment schmerzhaft gegenwärtig ist, als ob man sich die Stadt von heute einfach von den Brillengläsern wischen und vergessen könnte. (…)
Sie sah hinunter auf das Fleckenmuster von schwarzgewordenem Kaugummi auf dem Gehweg. Auf die braunen, beigen, faserigen Rückstände des Sturms. Und fühlte diesen leuchtenden Moment vergehen.”
körperwelten, bernsteinwesen oder diese passage aus quellcode… ein vergleich in zwei worten für diese drei arten immanenten lebens:
plastinierte realität.
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