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archiv für märz 2010

kinetische vergangenheit

kinetische vergangenheit

etwas in dir bäumt sich auf und ein zucken am faden zieht dich nach draussen. die maschine summt leise, während der treibstoff zu zirkulieren beginnt, und archaische rhythmen, gespielt vom trommelfeuer im zentrum, begleiten das gleichmäßige auf und ab. die welt sinkt langsam und stetig nach hinten, als ob das zischen, das durch dich durch zieht, sie hinweg wischt. schemen brechen durch den unbestimmten fokus und lösen sich im fluss der bewegung, die mit jedem schritt dem asphalt ein stück kinetische vergangenheit opfert. wärme und druck pressen diamanten aus flüssiger energie durch zitternde membranen - biologische währung eines handels auf ursprünglicher ebene. und ein schattiger zwilling tanzt zu deinen füßen wie ein geist. treibst du ihn, oder treibt er dich? ihr zwei, die einsamen herrscher einer rauschenden welt, deren wege ein labyrinth aus kraft und distanz spannen. der wille, ein kompass ohne gnade, zeigt immer in richtung grenze. am ende bleibst nur du und ein raum in dir. glühend leer, aus euphorie gewoben. pumpend, fließend, vollständig.

william gibsons mustererkennung

gibson_patternrecognition

“der notarzt verabreicht dem mann mittels einer flasche und einer atemmaske sauerstoff, und cayce hört hinter sich das insistierende tuten eines spiegelwelt-krankenwagens. und sieht einen moment lang das bewusstlose, unversehrte gesicht; die untere hälfte ist halb von der transparenten maske verdeckt, der abendregen fällt auf geschlossene lider. und sie weiß, dass dieser fremde jetzt vielleicht im extremsten aller schwellenbereiche ist, am rand des nichtseins oder im begriff, in ein sein einzutreten, von dem sie keine vorstellung hat.
sie kann nicht erkennen, was ihn erwischt hat oder wogegen er geprallt sein könnte. aber vielleicht hat sich ja die straße selbst aufgebäumt und ihn zu fall gebracht. sowas tun nicht immer nur die dinge, die wir am meisten fürchten, macht sie sich klar.”

william gibsons mustererkennung

gesprochene gesichter

unsere sprache ist ein wunderbares und mächtiges medium. ein bild sagt zwar bekanntlich mehr als tausend worte, doch letzten endes nutzen wir doch wieder wörter, um uns über bilder zu unterhalten. ultima ratio.
namen sind für mich die sprache der sprache. wir benutzen sie unzählige male am tag. sie machen personen zu freunden, tiere zu gefährten, lieder zu hits, projekte zu missionen.

namen komprimieren das wesen von menschen und ihren werken auf wenige buchstaben und schaffen so identität und bezug. aber sie sind viel mehr als nur verbale etiketten. namen sind ein emotionaler code, wandelbar in seiner form und handhabung. auf abstrakte art vermitteln sie leben, einfach und doch komplex - so wie morsezeichen eine botschaft übertragen.

name

ich heiße patrick. meine klassenkameraden in der 8. damals waren kreativ, so wurde daraus paddy. später päddl. oder padneck. oder padlor oder patinski. in foren nannte ich mich früher strobe, und auch als dj. jetzt ist es rokzon. mein blog heißt mikrophil, die radiosendung mit meinem kumpel nennt sich minusgleichplus. ein mensch, viele gesichter. gesprochene gesichter.
der name einer person ist die schwelle, ab der eine gewisse nähe entsteht und hinter dieser wiederrum sich intimität auftut. zuerst: Sie. dann: herr tejada. dann: patrick. dann: päddl. näher und näher…

auf einer anderen ebene bewegen sich die namen von gruppierungen oder produkten: metallica, adidas, golf GTI, die grünen, star wars, mezzo mix, yesterday. anders als bei personen tun sich hier gewissermaßen ganze welten auf, denn diese codes transportieren statements, lebensgefühle oder leistungen. manche subtiler, manche direkter - aber auch sie spiegeln gesichter wieder, hinter denen, wie bei personen, geschichten stecken.

das schwierige heutzutage ist auf diesem gebiet individualität zu erschaffen, aus einem schier endlosen meer aus mitbewerbern hervorzustechen. als person bereitet es mir keine probleme, dass es zahllose andere patricks gibt, denn meine identität ist durch das muster meines lebens geprägt. auch ein weltweit operierendes unternehmen mit erfolgreicher geschichte muss sich über seinen namen wenig gedanken machen. was aber, wenn man eine firma gründen oder ein neues produkt positionieren will? der name ist zwar bei weitem nicht der einzige aspekt, aber ein sehr wichtiger. er muss nicht nur wahrgenommen werden, sondern auffallen und anziehen. auftritt und leistung - der name verbindet beides. er ist der kleinste gemeinsame nenner, der erste eindruck, die spitze des eisbergs. je prägnanter sie aufragt, desto größer die chance, daran hängen zu bleiben.

eine werbeagentur oder eine computerspielfirma können sich bei der wahl ihrer verbalen identität mehr spielraum zumessen, als es ein milchprodukthersteller kann. je nach branche oder produktgruppe unterliegt die effektivität der benennung anderen regeln. doch auf lange sicht ist nur ein ziel entscheidend: der name muss sich in etwas mächtiges, magisches verwandeln. er muss zu einem lebendigen kodex werden, einer verheißung, einem versprechen. im idealfall wird er ruf und botschaft zugleich.