31. januar 2010 um 18:32 · abgelegt unter die medien
eigentlich bin ich ein entspannter kerl. ich mache gern witze und glaube an das gute im menschen. also nicht unbedingt ein prädestinierter schwarzseher. und dennoch stechen mir in letzter zeit vorwiegend umstände (aus der medienwelt) ins auge, die mich vor lauter kopfschütteln langsam an den rand einer gehirnerschütterung treiben. und auch das stechen-ins-auge ist alarmierend nah am wörtlichen sinn…
vor einiger zeit ging es hier bei können wir noch anders? um die zukunft der originalität. kurz: wird es noch bahnbrechend neues geben oder bleibt uns nur noch die option, die trägheit des alltags in unzähligen cocktails gemixt aus aufgewärmten ideen zu ertränken?
bleiben wir mal in der welt des entertainments. um dem deja-vu-erlebnis der nicht abbrechenden flut von konzeptwiederholungen vorzubeugen, kann man immer häufiger den äußerst kreativen ansatz des genremix beobachten. einfaches beispiel: social network + minigames. wow, ich kann freunde online treffen und nebenbei meine eigene virtuelle farm verwalten. unglaublich fesselnd. ok, kommt auf die zielgruppe an. viele mögen’s… aber es kommt noch besser! gerade gesehen: das lego-harry-potter-computerspiel. leute, geht’s noch? oder liegt es an mir? bin ich spießig? kapiert mein konservatives kleinhirn nicht den gigantischen mehrwert dieses phänomenalen marketingansatzes? hallo? ist da jemand?
worum geht’s hier eigentlich? lego ist ein klassiker. macht spaß und fördert das kreative denken der kinder. harry potter ist eine sicherlich unterhaltsame märchenwelt. auch gut. und computerspiele? sind die holodecks der neuzeit. kein zweifel. aber worin besteht bitte der sinn in der kombination des ganzen? dadurch werden die einzelnen, in ihrem bereich wirksamen konzepte doch ihrer effektivität beraubt. außer man sieht als einzigen sinn den möglichst umspannenden einzugsbereich an konsumenten. klar, das muss es sein. heureka! ich hab’s kapiert. es geht hier nicht um individuelles einsetzen von bestimmten mechanismen, die nicht nur unterhalten, sondern auf ihre weise fördern können. es geht einzig und allein darum, was dabei für die unterhaltungsindustrie herausspringt. boing. der groschen ist gefallen.
spaß beiseite. was ich hier von mir gebe, weißt du doch schon lang - genauso wie ich. es ist kein geheimnis. so entwickelt sich die welt nun mal: es ist einfacher, altbewährtes mit altbewährtem zu verknüpfen und geschickt auf dem markt zu kommunizieren, als etwas gänzlich neues, nie dagewesenes zu entwickeln. dass der mix die stärken der zutaten verwässert, spielt keine rolle. die maschine muss laufen. das ist alles, was zählt.
es ist natürlich einfach zu meckern, anstatt es besser zu machen, die pforten meines hirns zu öffnen und strahlende revolutionen des bereits bekannten daraus hervor treten zu lassen. die leute wollen unterhalten werden. schnell und dauerhaft. da steht die unterhaltungsindustrie natürlich unter druck. aber unterhaltung ist doch nicht nur unterhaltung. es geht auch um verantwortung, um entwicklung, um bildung. unsere gesellschaft folgt schon genug der tendenz zur oberflächlichkeit - trotz der technologischen möglichkeiten, die sich mittlerweile bieten. oder gerade deswegen? das potential ist da, und sollte nicht der schnelllebigen gewinnpotenzierung zum opfer fallen. leicht gesagt, ich weiß. und vielleicht denkst du da auch anders. vielleicht bin ich doch ein schwarzseher. oder habe die zeichen der zeit einfach noch nicht begriffen. aber man wird doch noch träumen dürfen? amen.
30. januar 2010 um 13:26 · abgelegt unter das leben
wie war das doch gleich mit dem “mystikum faszinosum”? ein neuer stern erscheint am horizont des alltags. man schießt auf einer rakete der erwartung dem verheißungsvollen gestirn entgegen und landet auf wolke 7. logenplatz im spektakel. aufgeregt rutscht man hin und her, jauchzt, applaudiert, wirft teddybären auf die bühne der faszination. aber nicht nur ikea-sessel nutzen sich mit der zeit ab. auch wolke 7. denn irgendwann setzt die ernüchterung ein wie ein luftloch: unerwartet, unangenehm - gewohnheit. und der höhenflug dümpelt auf ein unspektakuläres niveau zurück. wenn dann der treibstoff der neugier vollends zur neige geht, droht ein anflug auf die langweiligkeit. und zwangsläufig - früher oder später - die landung auf dem harten boden der bedeutungslosigkeit. und die kurve ist allgegenwärtig… in der liebe, im job, den hobbies…
aber wir menschen brauchen reize, ziele, herausforderungen. das bringt uns voran, lässt uns neues erleben. dumm nur, dass durch unsere schnelllebigkeit und ansprüche diesen dynamiken oft schon bald den schwung fehlt. wie kegeln auf einem ölteppich. ich nehme mich da nicht aus. motivation ist ein motor, der manchmal sehr eigenwillig läuft.
da fällt es schon leichter auf einen fahrenden zug aufzuspringen. und nicht nur irgendein zug: der hype-express! meist ausgebucht, in voller fahrt durchs mediennetz, immer in richtung schneller, besser, schöner. mit der bahncard 2.0 ist jeder dabei. nein, mittendrin statt nur dabei. langweilig war gestern. wenn die toleranzgrenze erreicht ist, hilft nur eine dosissteigerung. erlaubt ist, was spaß macht. und spaß macht, was alle machen. ist es nicht so?
doch, ohweh, es gibt auch spaßverderber. jackie fenn und ihr prinzip des hype-zyklus’ zum beispiel. “gipfel der übersteigerten erwartungen” oder “tal der enttäuschung” sind haltestellen, die den hype-express auf eine harte probe stellen. die weichen werden gestellt, spreu und weizen fahren getrennte wege. aber das gehört dazu. eine kurve ist eine gerade, die die richtung wechselt. und das macht es abwechslungsreich. ist der eine hype erschöpft, folgt der nächste. kurve plus kurve ergibt kreis - und die fahrt nimmt kein ende.
23. januar 2010 um 09:48 · abgelegt unter die medien
kunst ist komplex. wer darüber hinaus versucht, sie zu weiter definieren, hat wohl mehr erfolg beim versuch, aus einem zebrastreifen ein zebra zu zaubern. was ist schön, warum ist etwas schön - und geht es bei kunst überhaupt um schönheit? nein, damit fangen wir lieber gar nicht erst an…
was mich persönlich an kunst fasziniert, sind die intentionen, mittel und wege, die zu einem für meine sinne angenehmen ergebnis führen. das zusammenspiel dieser faktoren, kurz: die kreativität, ist bereits eine kunst an sich. manchmal genügt schon ein ungewöhnlicher blickwinkel auf augenscheinlich gewöhnliche dinge; wie zum beispiel durch ein mikroskop.
aber machen wir es doch etwas komplizierter: die taoistische lehre des alten china beschreibt die untrennbarkeit der dinge. oder besser die universelle einheit von allem. unzählige bücher wurden gefüllt mit philosophischen diskursen über diese theorie. und wieder: stop. zu komplex. siehe zebra…
um auf den punkt zu kommen: bisher geht es hier also um kunst, kreativität, die universellen einheit… und mikroskope (das zebra zählt nicht). ok, ganz schön komplex - aber es macht gleich sinn.
so sieht also koffein durch ein mikroskop aus. kann man sich durchaus an die wand hängen. also kunst? irgendwie schon. und der blickwinkel? ungewöhnlich. also kreativ? würde ich behaupten. um zu verstehen, was es nun mit der mysteriösen universellen einheit auf sich hat:
vor lauter farben und koffein im kopf, weiß ich jetzt nicht genau, ob der artikel sinn macht. zu komplex. entscheide du. aber immerhin… schön bunt, oder?
21. januar 2010 um 22:44 · abgelegt unter das leben
es war einmal ein mensch, der lebte in den kronen eines mächtigen waldes. tag für tag bewegte er sich über der bäume spitzen und scheute die tiefen des dickichts unter ihm. dort könne ihn die sonne nicht mehr erreichen, so fürchtete er. unaufhörlich nahm er das wilde treiben unter ihm wahr: töne, farben, bewegungen… buntes, arges toben in all seinen facetten. davon berichteten ihm auch die vögel, die ihn zeitweilens besuchten. und obgleich er sich, fernab des lebendigen treibens, einsam fühlte, wagte er es nicht, einzutauchen in die geheimnisvolle verheißung des reiches unter ihm. was, wenn ihm dort etwas geschieht? er den aufstieg in seine sicheren baumkronen, an die warmen sonne, nicht wieder schaffte? diese zweifel nagten scharf an seiner seele. und so entschied sich der mensch, an seinem gewohnten platze zu verweilen, nährte sich von den blättern und dem regen auf dem dach der welt. blickte sehnsüchtig in die ferne des himmels und suchte geschichten in den wolken zu lesen, die ruhig an ihm vorbeitrieben. schlief ein und träumte von anderen höhen.