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archiv für november 2009

no maps for these territories

nomaps

die einzige dimension dieser dokumentation, die sich mit zahlen eingrenzen lässt, ist ihre dauer. 90 minuten lang beleitest du william gibson, von zwei kameras im plastik-grauen fond einer amerikanischen limousine gefilmt, auf einer reise. physisch bewegt er sich durch amerika, während er in diesem interview seine sicht der welt, wie sie war, ist und wird, mit dir teilt. mental bewegt ihr euch jedoch in einem gebiet, für das es keine karten gibt.

die visionen seiner romane, die unsere welt in einem virtuellen licht erscheinen lassen, sind längst wirklichkeit geworden. und die wirklichkeit an sich? sie ist durch die technologie, und den ihr entspringenden neuen möglichkeiten aus ihrer materiellen haut geschlüpft. wie ein schmetterling, der einen kokon abstreift. wir sind unterwegs zu einem neuen ort:

“When we were only several hundred-thousand years old, we built stone circles, water clocks. Later, someone forged an iron spring. Set clockwork running. Imagined grid-lines on a globe. Cathedrals are like machines to finding the soul; bells of clocktowers stitch the sleeper’s dreams together.
You see; so we’ve always been on our way to this new place — that is no place, really — but it is real. It’s our nature to represent: we’re the animal that represents, the sole and only maker of maps. And if our weakness has been to confuse the bright and bloody colors of our calendars with the true weather of days, and the parchment’s territory of our maps with the land spread out before us — never mind. We have always been on our way to this new place — that is no place, really — but it is real.”
-William Gibson, Memory Palace

william gibson besuchen.

…viele grüße, deine angst

brand

du siehst einen waldbrand. ich sehe das prinzip der angst.
trockenheit, wind, viel fläche - und ein funke genügt…

meine diplomarbeit hatte grob das thema “angst und die medien”. es ging darum, warum und wie sich angst besonders leicht über verschiedene kanäle ausstrahlen lässt, und was dabei in den menschen vorgeht. ein schwieriges thema, aber faszinierend.

heute morgen erreichte mich die nachricht, ein kontakt auf facebook löst einen virus aus. zwei klicks in google und ich war im bilde. stichwort: hoax — kettenbriefe und co., angetrieben durch gruppendynamik - und im extremfall: massenhysterie

den wind kann man nicht beeinflussen. zu stürmisch geht es im web zu. feuer ist so existent wie die vielen quellen der angst. damit müssen wir leben. aber man kann das land feucht halten, durch information und aufklärung. denn angst ist nicht gleich bedrohung - wissen schafft oft die unterscheidung.

ein weiteres mal sehe ich im internet chance und gefahr zugleich. warnungen zirkulieren durch die vernetzung wie lauffeuer durch knochentrockene büsche. dabei muss man sich nur die mühe machen, bewässerungsgräben zu ziehen, und plötzlich ist vieles nur noch halb so dramatisch. wasser gibt es schließlich genug… dank google.

eins darf man nur nicht vergessen: zu viel googlen, macht es oft schlimmer. jeder, der im netz nach symptomen einer krankheit gesucht hat, weiß, was ich meine. das netz kann uns helfen, aber es kann uns das denken nicht abnehmen.

liebe angst,
ist schon toll, wie wandlungsfähig du bist.
und ohne dich wär die welt nicht wie sie ist.
aber manchmal nervst du uns auch ganz schön.
drum schau ich gut hin, um dich besser zu sehn.
viele grüße, dein patrick