william gibson - virtuelles licht
william gibson schreibt nicht - er formt.
aus seinen worten entstehen räume, gefühle, bewegungen, die der
leser mit seinem bewusstsein ertastet, wie ein kind, das seine hände
in eine kiste gefüllt mit bunten legosteinen aus kühlem plastik schiebt.
und dort die elemente einer welt spürt, die es allein durch seine phantasie
zu einem künstlichem leben erweckt. elektronische poesie.
nicht aus lego. aus buchstaben.
“Der Kurier drückt seine Stirn an Schichten aus Glas, Argon und hoch-
schlagfestem Kunststoff. Sein Blick folgt einem Kampfhubschrauber,
der die Stadt in mittlerer Entfernung wie eine Jagdwespe überfliegt
und den Tod in einem glatten schwarzen Behälter unter dem Thorax
trägt.
Stunden zuvor sind in einem nördlichen Vorort Raketen eingeschlagen;
dreiundsiebzig Tote, und bis jetzt hat sich niemand zu dem Mord bekannt.
Hier jedoch zeigen die verspiegelten Zikkurats am Lazaro Cardenas die
schimmernde Haut von Riesen und lassen auf diese Weise den nächtlichen
Hagel von Träumen wie nebenbei auf die wartenden Avenidas niedergehen -
alles wie immer, Welt ohne Ende.”

